Totes Meer: Das Paradies für Hautkranke

was-ist-neurodermitis-Ein-ueberblick-aus-der-Praxis-des-Lebens

Der Monat März ist ein guter Zeitpunkt, um ans Tote Meer zu reisen und seiner Haut eine Wohlfühlkur zu gönnen.

Da ich in diesem Jahr nicht persönlich hinreisen kann, tue ich es in meinen Gedanken und nehme euch mit. Ich war dreimal im Frühjahr dort und einmal im Sommer, davon muss ich aber dringend abraten, für Neurodermitiker ist es viel zu heiß.

Aber in der Osterzeit ist es dort wahrhaft paradiesisch!

Die Haut heilt in nur wenigen Tagen, offene Stellen schließen sich und heilen und der Juckreiz lässt quasi bei der Ankunft sofort nach.

Nach nur einer Woche dort ist die Haut so spür- und sichtbar besser, dass es an ein Wunder grenzt. Eincremen tut man sich nur mit Pflegecremes, man braucht keine Antihistaminika, etc., das Klima am tiefsten Ort der Erde sorgt für alles.

Besonders beeindruckend fand ich es, Kinder zu beobachten, die mit zerkratzter Haut anreisten und sehr schlimm und leidend aussahen. Wenn man sie dann wenige Tage später sah, war die Freude sichtbar und die Haut bereits in einem erstaunlich schnell verbesserten Zustand. Aber die Kinder und ihre Eltern waren auch viel entspannter, denn am Toten Meer schläft man gut und viel.

In der Luft befindet sich nämlich Brom, das eine beruhigende und Schlaf fördernde Wirkung hat und deshalb auch in Schlafmitteln verwendet wird.

Am Toten Meer sorgt es dafür, dass man langsamer wird, sich entspannter fühlt und praktisch jederzeit ein Schläfchen machen kann.

Für einen permanent mit Kratzen und der Haut beschäftigten Neurodermitiker ist das eine fantastische Erfahrung. Eine so lange andauernde innere Ruhe und Entspannung habe ich sonst in meinem Leben nicht erfahren.

Dort hat man keine Sorgen und die Haut kann heilen, regenerieren und Kraft tanken.

Aus diesem Grund ist das Tote Meer mein Paradies und ich empfehle jedem Menschen mit Hautproblemen, insbesondere verzweifelten Eltern mit hautkranken Kindern, einen Aufenthalt dort. Natürlich immer nach Rücksprache mit dem behandelten Arzt und zur geeigneten Jahreszeit.

Was tut man nun am Toten Meer den ganzen Tag?

Bevor ich zum ersten Mal für vier Wochen nach Israel ans Tote Meer geflogen bin, habe ich genau das meinen Hautarzt gefragt und er hat mir geraten, viel Lektüre mitzunehmen. Also packte ich zehn Bücher in meinen Koffer – und habe letztlich nicht mal eins durch gelesen. Und ich lese normalerweise sehr viel!

Aber dort ist man einfach nur relaxt, erfreut sich am Nichtstun und genießt das Leben. Es gibt einfach nichts zu tun, für alles ist gesorgt und man darf sich daran erfreuen, sich endlich wohl in seiner Haut zu fühlen.

Gleich am Anfang des Aufenthalts hat man einen Arzttermin, man erhält Pflegesalben und Anweisungen, wie lange und zu welchen Zeiten man sich in die Sonne legen darf. Je nach Hautzustand fängt man mit 5 bis 10 Minuten jeweils am Morgen und späten Nachmittag an und steigert dann die Zeiten langsam und kontrolliert.

Am tiefsten Punkt der Erde liegt ein Mineralienfilter in der Luft, so dass man keinen Sonnenschutz benötigt, sofern man die Zeiten einhält. In Israel sonnte man sich im sogenannten Solarium auf dem Hoteldach, nach Geschlechtern getrennt, da man dies hüllenlos tat. Man erhielt Laken und Handtücher für die Sonnenliegen und machte es sich dort bequem.

Ich bin immer morgens um sieben Uhr aufgestanden und habe mich dann gleich in die frühe Morgensonne gelegt. Danach gab es dann ausgiebig Frühstück, das Essen war sehr gut und gesund dort am frischen Buffet. Ich war jeweils zur Osterzeit in Israel und das war ein interessantes Spektakel, denn Pessach ist für Juden ein wichtiges Fest und das wird auch im Hotel respektiert. Das bedeutete, dass in dieser Zeit ein spezielles Geschirr und Besteck benutzt wurde und es statt Brot nur Mazzen gab, eine Art Knäckebrot. Ich fand es lecker und mich hat das überhaupt nicht gestört.

In Israel gibt es auch außerhalb der Osterzeit weitere Besonderheiten beim Essen, das stets koscher sein muss. Wie in den meisten Ländern im Nahen Osten essen auch die Juden kein Schweinefleisch, stattdessen gab es viel Geflügel, vor allem Truthahn. Wenn es Fleisch gab, wurde der Kaffee nach dem Essen nur mit Milchpulver serviert, da es die Religion nicht gestattet, Fleisch und frische Milch in einer Mahlzeit zu sich zu nehmen.

Ich fand das alles sehr spannend und die Israelis sehr freundlich und aufgeschlossen. Wenn man sich im Fahrstuhl begegnete wurde man gefragt, woher man kam und oft entwickelte sich ein nettes Gespräch. Fast alle Israelis, die ich getroffen habe, sprachen hervorragend Englisch und die Verständigung war problemlos. Trotz der dauerhaft kritischen Situation im Land habe ich sie als fröhliche Menschen empfunden. Ich war erstmals im Jahr 1991 dort, unmittelbar nach dem ersten Golfkrieg, und man sah überall viel Militär, doch genauso wie die Einheimischen gewöhnte man sich erstaunlich schnell daran. Damals war ein Song in den Charts „Living in a happy nation“, den ich noch heute noch mit den Israelis verbinde, die Stimmung war einfach fröhlich. Ich muss aber dazu bemerken, dass ich mich nur am Toten Meer aufgehalten habe, für Ausflüge war ich einfach zu träge oder zu entspannt. Und mein Ziel war ausschließlich, meiner Haut etwas Gutes zu tun.

Was man den Rest des Tages tat, ist schnell beschrieben: Ich lag anfangs im Hausschatten und als meine Haut geschlossen und besser war unter dem Sonnenschirm am Pool, in dem ich dann auch eine gelegentliche Abkühlung nahm. Das Wasser wurde dort mit Brom statt Chlor desinfiziert, was sehr hautfreundlich ist und deshalb auch bei Menschen mit sehr empfindlicher Haut kein Austrocknen verursacht.

Nachmittags machte ich oft eine Siesta im Zimmer und nahm nachdem die Sonne nicht mehr so stark war mein zweites tägliches Sonnenbad auf dem Dach.

Damals zahlte meine Krankenkasse ein halbes Doppelzimmer mit Halbpension, man konnte entweder mittags oder abends warm essen. Meine Bettnachbarinnen waren sehr nett und das Zimmerteilen war kein Problem. Ich habe mich gleich bei meinem ersten Aufenthalt mit einer anderen Frau in meinem Alter angefreundet und wir haben dann nach der Hälfte der Zeit ein gemeinsames Zimmer bezogen. In den beiden darauf folgenden Jahren sind wir gleich ab Frankfurt zusammen geflogen und haben dann auch ein Zimmer bekommen.

Insgesamt habe ich dort viele nette Deutsche kennengelernt, allesamt krank. Die meisten litten an Neurodermitis oder Schuppenflechte, es gab aber auch andere Hautprobleme und Menschen mit Gelenkerkrankungen. Als ich im August dort war, sah es ganz anders auch, die meisten Kurenden waren von Vitiligo betroffen, der sogenannten Weißfleckenkrankheit. Diese Menschen mussten sich in der für mich unerträglichen Sommerhitze quasi grillen, dadurch wurden die Pigmente stimuliert und die weißen Flecken zunächst rot und später dann, im besten Fall, braun. Dafür mussten sie viele Stunden täglich in der Sonne liegen, bei Temperaturen von über 50 Grad!

Für Neurodermitiker ist von einem Aufenthalt im Sommer unbedingt abzuraten, ich konnte es nur kurz im Schatten aushalten, in der Sonne war es viel zu heiß und auch nachts konnte ich nur mit eingeschalteter Klimaanlage schlafen. Da ich den Aufenthalt selbst zahlen musste (ich lebte in Spanien und dort werden Kuren nicht von der Krankenversicherung getragen), bin ich ins etwas günstigere Jordanien geflogen. Mir hat es dort allerdings weniger gut gefallen als in Israel, das lag neben der Hitze vor allem daran, dass die Einheimischen kaum Englisch sprachen und man mit ihnen auch nicht in Kontakt kam. Im Hotel arbeiteten fast nur junge Männer und ich vermute, als Moslem war es ihnen nicht erlaubt, mit uns Kontakt aufzunehmen. Arabische Frauen, die dort Urlaub machten, kamen in männlicher Begleitung und auch mit ihnen war somit kein Kontakt möglich. So hatte ich dort fast ausschließlich Kontakt mit anderen Deutschen und einem Libanesen. Ich fand das schade, denn ich hätte gern mehr über das Leben in Jordanien erfahren, so wie ich es in Israel konnte.

In Israel gingen wir abends entweder in eine Strandbar oder in die hoteleigene Disco und hatten eine tolle Zeit.

Als besonders angenehm und entspannend empfand ich es, dass man seine Haut zeigen konnte, ohne merkwürdige Blicke oder blöde Fragen gestellt zu bekommen, da ja jeder wusste, warum man dort war. Ich habe es sehr genossen, mich luftig anziehen zu können, auch als die Haut noch nicht abgeheilt war. Man konnte sich dort unter anderen Betroffenen so mit kaputter Haut zeigen und das war für mich eine große Erleichterung. Zuhause in Berlin hätte ich das nie getan, denn die Reaktionen meiner Mitmenschen waren oft verletzend und abweisend oder es gab mitleidige Blicke und „gut gemeinte“ Ratschläge.

Und was ist mit Baden im Toten Meer?

Bei meiner ersten Ankunft bin ich gleich noch abends im Dunkeln ans Tote Meer und habe meine Hände hineingehalten. Das war keine gute Idee! Meine kaputte Haut brannte wie Feuer! Ich konnte gar nicht schnell genug zur Dusche laufen und das Salzwasser abduschen. Jeder, der schon mal mit einer Wunde im Meer gebadet hat, weiß wie das brennt, aber dort ist die Mineralkonzentration des Wassers um ein Vielfaches höher und dementsprechend stärker ist die Hautreaktion.

Bei meinem ersten Arzttermin habe ich dann auch die entsprechende Anweisung erhalten, nicht im Toten Meer zu baden. Die Reizung ist für eine empfindliche Neurodermitikerhaut zu groß und es wird auch nach dem Abheilen vom Baden abgeraten. Ich habe mich allerdings nicht daran gehalten und bin nach etwa zwei Wochen regelmäßig kurz ins Meer gegangen. Anfangs habe ich meine Unterarme, die am schlimmsten zerkratzt waren, so wie auf dem Foto aus dem Wasser gehalten, bis auch sie so gut geheilt waren, dass das Wasser nicht mehr brannte.

Jeder muss selbst ausprobieren, ob ihm das Wasser gut bekommt. Meine Bettnachbarin beispielsweise ist nicht ins Tote Meer gegangen, da es ihr nicht bekommen ist, ich hingegen glaube, dass es meiner Haut zusätzliche Heilung und Stabilität gebracht hat. Ich hätte es mir auch nicht nehmen lassen, zumindest ein Foto von mir im Heiligen Wasser machen zu lassen!

Ich war im Frühjahr jeweils für vier Wochen dort und diese Zeit sollte man sich nehmen, denn die Haut braucht sie meiner Beobachtung nach, um abzuheilen und stabil zu werden. Bei mir hat der positive Effekt dann bis zum Herbst angehalten, ich habe die bei mir schlimme Birkenpollenallergie vermieden und auch den Sommer über eine recht gute Hautsituation gehabt.

Meine Erfahrung mit dem Toten Meer ist uneingeschränkt positiv und ich kann es kaum erwarten, wieder einmal hinzureisen, auch wenn meine Haut es nicht mehr braucht.

Vielleicht sehen wir uns dort mal?

Nachtrag: Viele Leser haben mich auf das Thema der Kostenübernahme durch die Krankenkasse angesprochen, hier findet ihr einen aktuellen Überblick.


Sabine

Kommentare

  1. Michelle sagt: Mai 4, 2017 at 1:42 am

    Hallo Sabine, ich habe deinen Artikel gerade gelesen und bin total angetan selber mal ans Tote Meer zu reisen. Es klingt wikrlich schön was du da beschreibst und zugleich ist es auch einfach traurig zu wissen, dass diese Pracht allmählich verschwindet.
    Reist du dieses Jahr, oder bist du dieses Jahr gereist?
    Ich würde gerne so viel Wissen und würde mich freuen wenn du erst mal das liest und mir antwortest.
    Liebe Grüße und einen schönen Abend ,
    Michelle

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