Herpes und Neurodermitis

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Nachdem ich in meinem letzten Blogpost über mein Hautparadies geschrieben habe, berichte ich heute von meiner Hauthölle, um in der Bildsprache zu bleiben.

Meine Erfahrung mit Herpes-Simplex-Viren Typ 1, also dem Auslöser des Lippenherpes, begann mit Anfang 20. Bis dahin kannte ich diese nur bei meinen Eltern, die gelegentlich Lippenbläschen hatten, die wir Grieben nannten.

Doch ich hatte mich nie angesteckt und wusste auch nicht, dass das für Menschen mit Neurodermitis nicht ungefährlich ist.

Das erlebte ich dann im Urlaub auf der griechischen Insel Kreta, den ich gemeinsam mit meinem Freund verbrachte. Er hatte so einen Herpes am Mund und ich steckte mich dann ohne es zu ahnen bei ihm an.

Meine Haut war zu der Zeit in einem sehr schlechten Zustand, was auch der Grund war, auf eine Insel im Mittelmeer zu reisen, wo sich meine Haut erfahrungsgemäß besserte.

Aufgrund meiner schlimmen Hautsituation habe ich anfangs nicht bemerkt, was sich in meinem Gesicht auszubreiten begann. Ein weiteres Problem war, dass es ja meine erste Herpes-Infektion war und ich deshalb nicht wusste, dass ein Herpes bei mir völlig anders aussieht als bei meinen Eltern und meinem Freund, die alle keine Hautkrankheit hatten.

Der Herpes breitete sich aber so rasant in meinem Gesicht aus, dass es bedrohlich war. Schließlich fuhren wir ins Krankenhaus der größten Stadt Kretas.

Was dort geschah war schlicht ein Horror!

Bereits auf den Gängen liefen schwerkranke Menschen an Tröpfen herum, die ich im Gedächtnis als „Halbleichen“ abgespeichert haben.

Deshalb sagte ich gleich bei der Ankunft zu meinem Freund: „Du lässt mich auf gar keinen Fall hier.“

Schließlich erreichten wir ein Behandlungszimmer, dort bot sich uns ein Bild, das ich bis heute vor mir sehe: Hinter einem Tisch saßen fünf weißbekittelte Männer, die mich anstarrten, mir aber keinen Platz anboten. Keiner der Ärzte sprach Englisch, mit einem konnte ich mich glücklicherweise auf Französisch verständigen. Aufgrund ihrer Blicke war klar, dass sie keinen Schimmer hatten, woran ich litt.

Rückblickend und zu ihrer Entschuldigung muss ich anmerken, dass Neurodermitis in Griechenland, zumindest im Jahr 1989, kaum bekannt war. Im Krankenhaus in Berlin erfuhr ich dann später, dass dieses Eczema herpeticatum nur Menschen mit einer Vorerkrankung wie Neurodermitis bekommen können. Die Ärzte auf Kreta hatten deshalb genau so wenig Ahnung wie ich, wollten mich aber dort behalten. Zum Glück war mir ja von Anfang an klar, dass ich das auf keinen Fall wollte und auch nicht das Gefühl hatte, dass man mir dort helfen konnte.

So wandten wir uns an das deutsche Konsulat, wo man uns half, unseren Flug auf den nächsten Tag umzubuchen. Zu diesem Zeitpunkt sah ich bereits wie ein Monster aus, meine Lippen, Nase und Augen waren von den Herpesbläschen total deformiert worden und der Herpes hatte begonnen, sich vom Hals abwärts auf meinem gesamten Körper auszubreiten.

Im Nachhinein finde ich es überraschend, dass ich beim Einchecken am Flughafen keine Probleme hatte. Dazu muss ich noch anmerken, dass diese Reise noch zu Mauerzeiten stattfand und wir aus Kostengründen über den DDR-Flughafen Berlin-Schönefeld geflogen sind. Zum Flughafen gab es damals einen Zubringerbus, der uns zum Zentralen Omnibusbahnhof in West-Berlin brachte, wo wir dann direkt ein Taxi ins Krankenhaus nahmen.

Dort fühlte ich mich dann in guten und kompetenten Händen, da der behandelnde Hautarzt sofort wusste, woran ich litt. Es war dieses Eczema herpeticatum, ein Wort, das ich wohl nie mehr vergessen werde.

Lebensgefährliche Komplikation

Der Arzt erklärte mir, dass ich gerade noch rechtzeitig gekommen war, da dies nur wenige Tage später zu einer lebensgefährlichen Hirnhautentzündung hätte führen können.

Er trommelte dann sämtliches Pflegepersonal der Hautstation zusammen und demonstrierte ihnen an meinem Beispiel, warum sie ihn sofort informieren mussten, wenn sie eine Herpesinfektion hatten.

Ich kam dann an einen Zovirax-Tropf, den ich mehrmals täglich bekam. Da der Herpes auch meine Hornhaut befallen hatte, musste ich auch vom Augenarzt behandelt werden und bekam Tropfen, die meine Pupillen weiteten.

Ich war dann zehn Tage stationär im Krankenhaus, von denen ich die ersten nur schlief. Aufgrund der Sorgen um meine Gesundheit hatten sowohl mein Freund als auch ich mehrere Tage nicht geschlafen und waren total erschöpft und natürlich erleichtert.

Nachdem ich dann ausgeschlafen hatte, war der Aufenthalt dort recht langweilig, da ich mit den weiten Pupillen nicht lesen und auch sonst nicht gut sehen konnte.

Ich hatte den Luxus eines Einzelzimmers, da die Gefahr bestand, andere Patienten der Hautstation anzustecken. Deshalb musste ich stets Bescheid geben, wenn ich mein Zimmer verlassen wollte. Wenn ich die Gemeinschaftsdusche benutzen wollte, wurde diese vor und nach mir besonders gründlich desinfiziert. Ich war ein echtes Gesundheitsrisiko dort!!

Letztendlich ist alles gut abgeheilt und eine Woche nachdem die Augentropfen abgesetzt wurden, konnte ich auch wieder normal sehen und mein Studium weiter führen.

Heute bedauere ich, dass wir damals keine Fotos von mir gemacht haben, aber in der damaligen Situation wäre es zu makaber gewesen.

Herpes auf der Hornhaut

Einige Jahre später hatte ich erneut eine folgenreiche Herpesinfektion, diesmal am Toten Meer in Israel. Dort war mein linkes Auge betroffen und ich bekam die falschen Tropfen verschrieben, was dazu führte, dass bei meiner Rückkehr in Berlin ein Loch in der Hornhaut diagnostiziert wurde.

Das Auge war zugeschwollen und tat sehr weh.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht gewusst, dass man Schmerzen im Auge haben kann, die einen fast wahnsinnig machen. Mein Auge wurde dann etwa einen Monat lang behandelt, der Herpes verschwand, doch das Loch blieb. Ich verbrachte eine Woche stationär im Krankenhaus, doch auch dort erfolgte keine Besserung und man überlegte, als letzte Möglichkeit, eine Transplantation der Hornhaut vorzunehmen.

Glücklicherweise begann sich das Loch dann doch langsam zu schließen und die Transplantation war nicht mehr nötig. Nach drei Monaten war das Loch dann vollständig verschlossen.

Während der gesamten Zeit war mein Auge extrem lichtempfindlich, es war Sommer und ich saß tagsüber bei verschlossenen Vorhängen in meiner Wohnung, die ich nur mit Sonnenbrille und großem Hut verließ.

Geblieben ist eine Narbe quer über die Hornhaut, die meine Sehfähigkeit anfangs stark beeinträchtigte und bis heute gelegentliche Schmerzen bzw. Druck im linken Auge verursacht, die aber seltener und weniger heftig auftreten.

Auch nach über 20 Jahren ist mein linkes Auge empfindlicher als mein rechtes, bei Fotos mit Blitz ist es oft geschlossen und in die Sonne zu blicken ist mit links besonders unangenehm.

Aufgrund meiner Erfahrung rate ich bei jedem Probleme am Auge unbedingt dazu, sich von einem Augenarzt fachgerecht untersuchen zu lassen.

Das Thema Herpes begleitet mich leider weiterhin und auch auf Teneriffa hatte ich einmal einen starken Ausbruch, der sich rasend schnell ausbreitete. Wie es oft ist, passierte es an einem Samstag und ich bin zu einem Notfall-Arzt ins Ambulatorio meiner Stadt gegangen. Dieser hat meine Bläschen jedoch nicht als Herpes eingestuft und mich mit einem falschen Mittel nach Hause geschickt.

Hätte ich ihm geglaubt, wäre innerhalb kürzester Zeit wahrscheinlich wieder mein ganzer Körper betroffen gewesen. Ich habe jedoch meinem Körpergefühl vertraut und bin dann ins Krankenhaus gefahren, wo man mir zuhörte und mich schließlich an einen Tropf mit Zovirax hängte. Auch in Spanien ist das Thema Neurodermitis und ihre möglichen Komplikationen noch nicht bei allen Ärzten bekannt.

Verdacht auf Herpes: Sofort reagieren!

Erschwerend kommt auch hinzu, dass ein Herpes bei mir anders aussieht als bei den meisten Betroffenen. Es sind viele kleine Bläschen, so wie auf dem Beitragsfoto zu sehen. Diese treten bei mir meist nicht am Mund auf sondern mal am Ohr, mal an der Nase aber auch im Nacken und am Haaransatz. Wichtig ist, schnell zu handeln und die Stelle möglichst wenig zu berühren und sich danach immer die Hände zu waschen, um das Virus nicht an andere Stellen zu bringen. Leider ist es gerade am Tag des Ausbruchs sehr ansteckend, wenn man vielleicht noch gar nicht sicher ist, dass es sich um Herpes handelt.

Ich habe deshalb immer Cremes gegen Herpes bei mir, sowohl für die Haut als auch die Augen und beim geringsten Verdacht oder Kribbeln wird diese benutzt, ich gehe da kein Risiko mehr ein!

Falls man keine Herpessalbe zur Hand hat, hilft meiner Erfahrung nach auch Zahnpasta oder Zinksalbe, um den Herpes abzudecken und auszutrocknen, beim Auge aber bitte keine Experimente eingehen und sofort zum Arzt!


Sabine

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