Mein Paradies am tiefsten Punkt der Erde

Ein Klimawechsel kann zumindest zeitweise eine sehr wirksame Maßnahme zur Linderung der Neurodermitis sein.

Einigen Betroffenen hilft ein Urlaub am südeuropäischen Mittelmeer, anderen Neurodermitikern geht es wiederum an der Nordsee oder am Atlantik gut und wieder andere bevorzugen für ihre Haut das Hochgebirge. Auch hier gilt, probieren geht über studieren, jeder Mensch ist einmalig und jede Neurodermitikerhaut reagiert anders.

Und doch gibt es einen magischen Ort auf dieser Erde, an dem es jedem Hautkranken, den ich dort getroffen habe, auch ohne Kortison besser ging:

Das Tote Meer

Ein Aufenthalt am Toten Meer ist schwer zu beschreiben, denn man verlässt quasi die normale Welt und begibt sich für einige Wochen in eine Traumwelt, so habe ich es jedenfalls empfunden. Für mich war es einfach paradiesisch. Die Haut heilte innerhalb weniger Tage von allein ab, der Juckreiz verschwand fast sofort nach der Ankunft, das Wetter war traumhaft und man durfte den ganzen Tag faul sein, denn es gab nichts zu tun.

Bereits die Anreise ist kurios, denn die Fahrt zum Toten Meer führt kilometerweit durch Wüstenlandschaft, vorbei an einem Schild, das das Meeresniveau kennzeichnet. Von dort geht es nur noch bergab, bis etwa 400 Meter unter den Meeresspiegel, zum tiefsten zugänglichen Punkt der Erde.

Hier unten herrscht ein sehr trockenes Klima, die durchschnittliche Nieder­schlags­menge beträgt 50 Millimeter im Jahr. Die Luft am Toten Meer ist etwa fünf Prozent sauerstoffhaltiger als bei uns, dieser extrem hohe Sauerstoffgehalt verbunden mit einer niedrigen Luftfeuchtigkeit machen das Klima trotz hoher Temperaturen gut verträglich.

Das Wasser des Toten Meeres ist so mineral- und salzhaltig, dass kein Lebewesen darin existieren kann. Weder Pflanzen noch Fische siedeln sich hier an. Diese Mineralien bringen allerdings den bei Neurodermitis wichtigsten Effekt der Klimatherapie, denn dank der Verdunstung des mineralstoffreichen Meerwasser befindet sich eine hohe Konzentration von Salzen in der Luft.

Medizinisch gesehen ist vor allem deren Zusammensetzung von Bedeutung:
Der Hauptanteil ist Magnesium, das dem Wasser des Toten Meeres auch seine ölige Beschaffenheit gibt. Die Magnesiumkonzentration im Toten Meer ist 15mal höher als in anderen Meeren. Magnesium ist wichtig für den Stoffwechsel der Zellen. Es unterstützt die Heilung von Hautgewebe und versorgt die Hautoberfläche mit antiallergischen Elementen.

„Bromig“ und entspannt

Besonders schätzen gelernt habe ich die hohe Bromsättigung der Luft, denn Brom hat einen entspannenden und beruhigenden Effekt auf das Nervensystem und trägt zur Entspannung von Körper und Seele bei. Das Tote Meer enthält 50mal mehr Brom als jedes andere Meer der Welt. Spätestens nach drei Tagen Aufenthalt am Toten Meer zeigt sich dieser Effekt auf äußerst wohltuende Weise, man fühlt sich „bromig“. Die Bewegungen werden langsamer, man wird gelassener und trottet fast wir in Trance vor sich hin.

Eine fantastische Erfahrung für permanent mit Kratzen und Eincremen beschäftigte Menschen! Auch mit dem Schlafen hat man keine Probleme, es zeigt sich, warum Brom in Schlaftabletten enthalten ist, denn nach wenigen Tagen kann man fast zu jeder Tageszeit ein Nickerchen machen. Hier kann man den Schlaf aufholen, den man aufgrund des Juckreizes Zuhause vermisst hat. Es ist einfach herrlich, Entspannung pur!

Ich kann nur in höchsten Tönen schwärmen und jedem (Haut-) Kranken empfehlen, seinen Arzt zu konsultieren, ob er einen Aufenthalt im tiefstgelegenen Kurzentrum der Erde für sinnvoll hält.

Weitergehende Informationen zu Kuren und Klimaheilbehandlungen sowie meine Erfahrungen am Toten Meer finden Sie in meinem Buch Nicht kratzen, waschen! Neurodermitis verstehen und heilen